Limmer wider Lichterglanz - Weihnachtswissenschaft


Die Lichterkette



 
    Die Lichterkette wird das erste Mal schriftlich kurz nach Christi Geburt genannt. Nämlich in einem Brief des vierten der Heiligen Drei Könige. Denn eigentlich sollten es vier Heilige Könige sein, die dem neugeborenen Jesus Geschenke überreichen.    
    Der vierte König hieß Kevin, was „anmutig“ und „hübsch“ bedeutet. Und das traf auf diesen König absolut zu. Er war in dem Maße adrett, attraktiv und begehrenswert wie er dumm war. Ja, dieser Kevin hatte leider absolut nix in der Birne. Die anderen drei Könige indes zerfraß es innerlich vor Neid wegen seinem wohlfeilen Äußeren. Kevin bekam immer die schönsten Frauen und die anderen drei schauten mit dem Ofenrohr in sein Schlafzimmer.
    Aufgrund des immensen Neids berieten die drei Könige ihren Kollegen in Sachen Jesus-Geschenk sehr hinterfotzig. „Licht“, sagten sie. „Die brauchen Licht im Stall. Sonst ist das Kind hernach schief gewickelt.“ König Kevin zeigte sich begeistert. So jubelten ihm die anderen drei eine Lichterkette unter, die sie von einem koreanischen Flaschengeist namens Dschin Jong Un erhalten hatten. Dschin Jong Un wiederum treibt in der Weltgeschichte ein echt mieses Unwesen. Mal taucht er als Zündholzvertreter bei Kaiser Nero auf, mal als Prommgestalter von RTLII. Man erkennt ihn übrigens gleich, weil er genauso aussieht wie alle Koreaner.



    Kevin übersah leider das Schild „Made in Nordkorea“ an der Lichterkette. Er übersah auch, dass Isar2 noch nicht stand und gar kein elektrischer Strom floss. Zu guter Letzt übersah er noch, wie verknotet die Kette in der Packung lag. Stolz übergab er der Heiligen Familie sein Präsent. Ratlose Gesichter beugten sich über die Packung. Bis der Zimmermann Josef, immerhin ein pragamatischer und handwerklich begabter Mensch, resultierte: „A so a Schmarrn. Des braucht koa Sau.“ König Kevin versuchte sogleich die Kette zu entwirren. Aber er verknotete sie nur noch mehr und schlussendlich sich selbst in der Kette, was ihn zum Gespött der Könige, der Hirten, der Familie und sogar von Ochs und Esel machte.
    König Kevin gab schließlich auf. Mit rotem Kopf hüpfte er eingewickelt in die Kette davon. Wohl wissend, dass ihm die Königskammer seinen Titel entziehen würde, wegen grober Beleidung seiner Königswürde. Und seit dieser Zeit stellt man den einst noblen Namen Kevin zusammen mit der Lichterkette in eine dunkle Ecke, wo sie bis heute mitsamt Eselskappe ausharren müssen. Zudem erdachten rege Dichter um diesen Vorfall viele Spottverse und Lustspiele. Etwa den schwedischen Lichterkettenkanon „Wirfswegstrumm“:
    „Drahs hierum,    
    drahs herum,
    sei ned dumm,
    wirfs weg, s'Trumm.“
 
    Neben diesem kleinen, heiteren Couplet entstand über die Jahre dann der Watschentanz. Entwickelt hat ihn Konstantin Rottinger, Spitzname: Krachleder Kone, und seines Zeichens Tanzkapellmeister sowie Trachenvereinsvorsitzender. Während er einst seinem Schwager helfen sollte, die Lichterkette zu entwirren, gab ein Wort das andere und schließlich eine Watschn die nächste. So prägte auch der Kone den Vers: „Rüttle nicht am Watschenbaum, es reift die Frucht, du merkst es kaum.“ Kone und seine Frau, nun von allen Familienbesuchen befreit, gingen auf Watschentanzwelttournee und verbrachten dieses schöne Stück bayrische Tradition bis nach Amerika. Im gleichen Zug legitmierte der Kone, völlig unabsichtlich freilich, jede Wirtshausrauferei. Schließlich kann man eine jede davon vor Polizei, Staatsanwalt und Richter als Traditionstanz darstellen – vor allem, wenn letztere drei selbst darin verwickelt waren. In schwierigeren Fällen, bei misstrauischen, hochdeutschen Rechtsvertretern, bietet man einfach an, den Tanz, gemeinsam mit Richter und Anwälten zu veranstalten und, zappzerzapp, der Käse ist gebissen, wie der Kone so oft gemütlich zu sagen pflegte.
   
    König Kevin wiederum ließ sich diesen ersten Reinfall keine Lehre sein. Stur zog er eine Lichterkettenmanufaktur auf, die im Mittelalter bankrott ging. Desweiteren kamen nun einige Unterhaltszahlungen auf König Kevin zu. Seitdem kursiert das Sprichwort: „Die dümmsten Männer haben die meisten Kinder.“ Oder auch: „Dumm f…. gut.“
    Derart in die finanzielle Enge gedrängt, beschloss König Kevin sich mit einer Lichterkette zu erhängen, was ihm ebenfalls nicht gelang. Er vergaß schlichtweg, die Kette über sich zu befestigen. Tja, ohne Physikbuch, kein Genickbruch. Nach Tagen brach er entkräftet auf dem Boden zusammen, die Kette überdies nur an seinen Fesseln befestigt. Von den Unterhaltszahlungen getrieben und offenbar zu dumm zum sterben, lebte König Kevin weiter und erfand noch so einiges: Feng Shui, alkoholfreies Radler, die FDP, die TV-Show „Kein Schlauer sucht Frau“ und Apple. Danach verschwand er.
    Die Lichterkette aber verschwand, wie wir wissen, nie. Obwohl sie in jedem Jahr bis zur Unkenntlichkeit verknotet unzählige Menschen in die Nervenheilanstalten treibt und, falls außen an Häusern angebracht, ganze Landstriche durch Lichtverschmutzung unbewohnbar macht. Und nur wenige Menschen, die die alten Geschichten kennen und glauben, singen bei diesem Anblick leise, wie fröstelnd: „Drahs hierum, drahs herum...“
 

    Nachsatz: Die tragische Anfangsgeschichte der Lichterkette ist wenig bekannt. Sie wird seit Jahren von der Lichterkettenlobby unter Verschluss gehalten. Nur unter gefährlichsten Bedingungen konnte unser Berichterstatter an diese Fakten gelangen, geneigte Leser, um Ihnen ein wenig die Augen zu öffnen. Fragen Sie sich bei jedem Vorurteil oder Klischee, woher es wohl kommen mag. Meist steckt Dummheit dahinter. Wir, vom X-Mess-Messie-Verlag wünschen Ihnen indes frohe Weihnachten und ein strahlendes Fest.

    In der nächsten Ausgabe erfahren Sie, warum Bienenwachskerzen nicht in heiße Milch gehören und an Weihnachten Brett- wie Kartenspiele zu meiden sind.
Mit herzlichen Grüßen
Ihr Herausgeber
Kevin Königson
   
   

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